Christiane Gerges

Die Samen der Angst oder Mut zu Tod und Auferstehung

Eine Reflektion im Sinne der Michaelkultur: das Geistige zu entdecken im Alleralltäglichsten.

Wieder kommt von einem Freund der Hinweis auf ein Video, eine Stellungnahme zur Corona- Krise. Ich werde von solchen Videos regelrecht überschüttet:
Da gibt es Verschwörertheorien-Videos, die versuchen, zu belegen, dass das Virus von amerikanischen Wirtschaftsfirmen in die Menschheit infiltriert wurde, um dadurch die Bevölkerung dazu zu bringen, sich freiwillig überwachen zu lassen. Und es ginge darum, Impfungen zu verkaufen. Sie machen darauf aufmerksam, welche Milliardengewinne Amazon und Microsoft jetzt einfahren, weil alles im Internet bestellt wird und weltweit Software für das Homeoffice und Lernprogramme verkauft werden.

Dann gibt es diejenigen, die sich auf Rudolf Steiner beziehen; ob sie ihn dabei richtig auffassen ist eine zweite Frage. Sie meinen, dass Viren nicht anstecken können, dass sie ausgeschiedene vergiftete Zellen des Menschen sind. Sie stellen die Frage nach der Ursache der Vergiftung und verweisen auf die Umweltkatastrophe des 5G, welche die Beziehung des Menschen zu den Sternen stört. Überzeugend dabei ist, dass die Lunge ein physischer Ausdruck der fließenden Beziehung von Himmel und Erde ist. Wenn folglich diese Beziehung gestört wird, ist die Lunge nicht mehr Ich-durchdrungen und angreifbar. Zum anderen verweisen sie auf den Zusammenhang mit gequälten Tieren und nehmen an, dass die Viren von diesen ausgehend auf die Menschen übergesprungen sind, wie es z. B. auf dem Tiermarkt von Wuhan geschehen sein soll.

Zwei Videos kamen zu mir mit ganz anderem Inhalt, die auf den Frühling aufmerksam machten, auf die schönen Blüten, die gerade aufgehen, auf das reine Wasser in den Häfen und in Venedig, auf die zwitschernden Vögel. Doch wenn ich im Park spazieren gehen, begegnen mir keine gelösten Menschen, viele sind verkrampft und grüßen nicht, ganz auf Abstandhalten fixiert.

Was ich hier in diesem Artikel anschauen möchte, ist weniger die Frage nach dem Virus an sich, als was sich aktuell im Geistigen abspielt:

Ich gehe in einen Supermarkt, nur um mir zwei Haferdrinks zu kaufen und kann mich kaum halten. Kennen Sie die Werbung bei Amazon: ‚nur noch 2 Artikel auf Lager‘? Oder Sie wollen eine Urlaubsreise buchen und noch ein bisschen überlegen. Dann heisst es: ‚nur noch 1 Zimmer frei‘ oder ‚noch 3 Plätze im Flugzeug‘ und es bringt in Ihnen eine Art Verschnellerung, fast eine Reflexbewegung, mit der Sie zugreifen, um sich diesen Rest zu sichern. Das Bewusstsein scheint sich auszuschalten, wenn wir sehen, dass wir gerade im letzten Moment noch etwas bekommen können, dass wir etwas versäumen könnten. Genauso geht es mir hier im Supermarkt: Ich sehe die leeren Regale und eine Art Panik überfällt mich. Ich greife von den fast leeren Dingen, die ich normalerweise auch kaufe, diese Woche aber nicht gebraucht hätte, schnell die letzten Produkte. Schon mit Verstand, nicht übermäßig, aber in einem Hauch von Panik. Es ist nicht mehr ‚Ich‘, das entscheidet. Es äußert sich ein Wesen, dass auf den Egoismus des Selbst ausgerichtet ist. Es scheint eins zu sein mit dem Überlebenstrieb, der im Menschen darauf konzipiert ist, nur sich selbst zu sehen und einfach nach dem letzten Halt greift, ohne die Umgebung wahrzunehmen oder gar abzuwägen, ob jemand anderes das noch mehr brauchen könnte. Absurd wäre eine solche Überlegung für die Erhaltung des Selbst, für diesen Überlebenstrieb. Dieses Wesen greift ungeheuer schnell, wie durch mich hindurch, auf die Produkte zu. Ich kann es so schnell gar nicht bremsen, beobachte es im Nachhinein, beobachte das leichte Gefühl von Panik, das mit ihm einherging, das von ihm ausging. Und ich nehme wahr, dass ich Anteil hatte an einer Welle des Egoismus, des Überlebenstriebes, der nicht nur mich, der plötzlich die Menschheit als Ganzes ergreift. Wesen bewegen sich in diesem astralen Strom in die Seele der Menschen. Sie legen ihre Samen in den Seelen ab, Samen der Angst.

Vor wenigen Wochen ist ein riesiger Heuschreckenschwarm über die Ostküste Afrikas hergefallen. 40 x 60 Quadratkilometer groß flog dieser Schwarm mit circa 200 Milliarden Tieren von Pakistan her kommend über Eritrea, Äthiopien, Somalia, Kenia und Tansania, vernichtete alles Essbare und legte seine Eier mehrere Zentimeter tief in die Erde. Der erste Schritt ist also die Vernichtung dessen, was im Äußeren wächst, der zweite jedoch ist jetzt nicht sichtbar, aber schon vorhanden: die Gefahr durch Abermilliarden von Eiern.

Was wird aus den Samen der Angst, die jetzt in die Menschen gepBlanzt werden, wachsen? Werden sie das Freiheitsbedürfnis aufweichen, zugunsten von zusätzlichen Sicherheitssystemen?

Die Verschwörertheorien-Videos machen sich jetzt in mir selbstständig: Soll es tatsächlich Menschen geben, die nichts im Sinne haben, als andere für ihren Egoismus zu missbrauchen? Ich fange an, da hinein zu denken und kann die beschriebenen Schachzüge dieser Wirtschaftsfirmen, z. B. um 5G und Überwachungen zu etablieren, logisch finden. Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass solche Machenschaften hinter der gegenwärtigen Krise stehen könnten. Ich nehme wahr, dass ich mich mit meinen Gedanken in einem Gewebe befinde, das mir die Luft abschnürt. Unweigerlich verändert sich mir durch diese Gedanken das Bild vom Menschen zu einem kontrollierten Wesen, das fast einem Maschinenwesen gleicht. Angst beschleicht mich. Nicht weil ich ängstlich bin, ganz und gar nicht, aber Angst taucht als Begleitung dieser Gedanken auf. Ich nehme sie wahr als seelische Äußerung dieser Art von Gedankenkonstruktionen.

Ich bringe mir zu Bewusstsein, dass ich durch mitdenken der Verschwörungstheorien meine Gedankenkraft dem Aufbau, der ‚ätherischen Vorkonstruktion‘ dieser Gebilde geliehen habe! Und die seelische Angst, die in mich einfloss, hatte meinen Willen ganz gebannt: ich konnte nur noch dieses denken, für einen Moment mindestens.

Die Angst als Same! Sie weht mit diesen lebensfeindlichen Gedanken, die wir hören, mit den lebensfeindlichen, egoistischen Handlungen wie ein Same in uns hinein, wird von unserem Willen wie mit Wasser begossen und treibt ihren ätherischen Keim. Wir gestalten in unseren Gedankenkräften diese Verschwörungstheorien ja erst so richtig aus! Wenn diese Gedanken keine Willenssubstanz in den Menschen finden würden, könnten sie sich nicht realisieren! So liegt die Verbreitung des Bösen nicht nur in den Händen irgendwelcher bösen Menschen außer uns, sondern wir sind es, die mit unserem von Angst gebannten Willen diese Gedanken ausbauen. Empfänglich machen wir uns für die Angst durch mangelndes Vertrauen zum Geistigen, zu dem Ur-Menschenwesen, aus dem all das heraus gesetzt wurde zu seiner freien Ich-Entwicklung und zu seiner Entfaltungskraft. Insofern ist die Angst eine Folge von materialistischen Gedanken.

Welcher Mensch ist allerdings wirklich in jedem Moment über alle Ängste erhaben? Der wäre einem Gott gleich! Irgendeinen Angriffspunkt findet die Angst immer und schleicht sich schneller als man es anfangs wahrnehmen kann, in die Seele und sei es durch das leere Regal mit Biobohnen. Es ist die Frage, wie wir mit diesen Gedanken umgehen, ob wir sie ausgestalten oder uns bewusst in das Vertrauen zur geistigen Welt, zum Christus hineinstellen. Ein ständiger Übungsakt also, ein ständiges Wachsein.

Was geschieht in mir durch Angst? Ich ziehe mich zusammen. Angst lässt meinen astralen und ätherischen Organismus ganz eng werden. In diesem Eng-werden wird er dunkel gekrampft. Damit werde ich im Moment der Angst Leib für ahrimanische Wesenheiten, die diesen engen, zusammengezogenen dunklen Leib brauchen, um sich inkorporisieren zu können. Ja, Ahriman braucht solche von Angst zusammengezogenen Leiber, wie wir sie jetzt durch Corona zu Millionen und Milliarden weltweit haben.

In Ostafrika fangen die Menschen an, die Heuschreckeneier auszugraben, um den zweiten Schritt der Katastrophe abzumildern.
Können wir die Samen der Angst aus uns herauslösen, um keinen Augenblick mehr Leib zu bilden für die ahrimanischen Wesenheiten? Dazu müssen wir natürlich bereit sein, die Schaufel in die Hand zu nehmen und nachzuprüfen, wo sie im Einzelnen stecken, solche Momente erinnern, wo sie sich eingenistet habe! Und dann bewusst das Vertrauen in die geistige Welt wieder herstellen in jedem einzelnen Falle.

Ich gehe spazieren und sehe über mir einen azurblauen Himmel wie sonst nur auf den griechischen Inseln. Das Abendrot etwas später über der lichtvoll schimmernden Elbe in leuchtendstem Apricot-Orange. Zwar glühen die WLan-Strahlen, doch die Welt der Motoren hält den Atem an, die Natur atmet wieder und lebt prachtvoll auf. Die Vögel singen vergnügt und drei Spechte vollführen ihr Trommelkonzert auf unterschiedlich gestimmten Bäumen. Das Sichtbar-Werden des ätherischen Christus, das seit 87 Jahren mehr und mehr sich vollziehen soll, kommt mir in den Sinn. Wo ist die Ätherwelt? Sind nicht die Farben ihr Ausdruck? Nicht die physischen Farben, sondern die Farben in ihrem Bewegungsvollzug. Wer bewegt sich? Nicht die Farbe bewegt sich hierhin und dorthin. Die Farbe wird bewegt. Das glockenhaft wölbende des Blau ist ein geistiges Wesen, das in solcher Art die Erde umhüllt. Es äußert sich seelisch als hüllend und wird mit unserem Sehsinn als Blau wahrgenommen. Also kann ich die ätherische Seelenbewegung eines geistigen Wesens auch mit meiner Seele wahrnehmen! Ich schaue das Apricot-Orange mit liebevollem Gemüt an und nehme die Resonanz dieser Farbe in meinem eigenen Seelenleib wahr. Ich nehme wahr, wie sie mein Herz durchströmt und es zu einer Art Blühen bringt: ein liebevolles, zartes Strömen, das sich in die Umgebung ergießt. Ein intuitives Erleben der geistigen Sonne in ihrem Aspekt von dieser apricot-orangenen Seelenbewegung, die ich als die meinige erleben konnte. Um zu diesem intuitiven Erleben zu gelangen, muss da nicht im Geistigen mein Ich mit der Sonne eins gewesen sein? Wie eine Art Erinnerungsbild leuchtet mir dies geistige Erlebnis auf.

Lässt sich auch die Erscheinung des Christus in der ätherischen Welt in solcher, soeben beschriebenen Art durch die Sinne intuitiv erleben? Wenn ich nur mein Gemüt dabei nicht vergesse! Gemüt ist eine Art Mut, sich vom Herzen her auszubreiten, wie es auch geschieht, wenn ich es mir gemütlich mache. Ich senke mein Herz in das Wahrgenommene. Dann kann ich es intuitiv in mir seelisch-ätherisch erleben und wie in einem Erinnerungsbild wird es meinem Ich sichtbar. In welcher Farb-Seelen-Bewegung kann ich den Christus finden?

Einen Lichtseelenprozess nannte Rudolf Steiner diesen Weg, durch alle Sinne zum geistigen Erleben zu gelangen. In der jetzt so reinen Farben-Ätherwelt lässt sich der Christus im Ätherischen bestimmt besonders leuchtend erleben!

So erschafft die Angst, die die Menschen jetzt zu Milliarden in ihren Häusern hält, Raum für große ätherische Ereignisse? Ich erinnere Rembrandts Gemälde, wie er mit Dunkelheit das Licht aufstrahlen lässt. Kann das ätherische Licht gar nicht so hell scheinen, wenn nicht gleichzeitig die Dunkelheit noch dunkler gestaltet wird? Ist das Verstärken der Angst auf der einen Seite mit den lichtvoller werdenden Erscheinungen auf der anderen Seite verbunden? Ist das Herannahen Ahrimans gleichzeitig die Ermöglichung für das immer sichtbarer werden des auferstehenden Christus? So brauche ich mich gar nicht vor der äußeren Welt zu ängstigen? Benötigt sie das gleichzeitige Vorhandensein von Dunkelheit und Licht? Und ich kann mich entscheiden zwischen Angst und Vertrauen? Und eine neue Welt wird gebaut durch die Ich-Entscheidungen der Menschen?

Ich gehe weiter im Park und nehme den Freiraum wahr, den ich habe. Es scheinen von nun an zwei Welten nebeneinander, ja ineinander zu existieren und die Entscheidungsfreiheit des Ich, welcher Welt ich meinen Willen zur Ausgestaltung schenken möchte, welcher ich angehören möchte: Die mit der Angst vor dem Tod, – und sei es, sie kaschiert sich in eine mitfühlende Angst vor dem Tod der Liebsten, – die das Bewusstsein des Selbst erhalten will und sei es an Maschinen gebunden. Und die Welt mit dem Vertrauen in das Leben, das durch Geburt und Tod atmet und sich metamorphosieren darf. Es ist die Welt, die Vertrauen in die Ewigkeit des Ich hat, die weiß, dass der Tod das Ich nicht vernichten kann, sondern ein Pol seines Atmungsprozesses ist, aus dem es dann wieder aufersteht. Die Auferstehung braucht zu ihrer Vorbereitung den mutvollen Schritt mit dem Christus auch durch den Tod zu gehen.